Selbstbindung als Botschaft – Corporate Governance als Lösung?
Was kommt da auf uns zu? Ein Regelwerk soll neue Vorschriften für die Leitung und Kontrolle von Gesellschaften und Konzernen bringen. Reichen etwa die Gesetze nicht mehr aus, um Unternehmen am Leben zu erhalten und Gläubiger zu schützen? Wenn man die Insolvenzen der vergangenen Zeit im In – und Ausland betrachtet, ist man geneigt sein, tatsächlich einen Bedarf zu sehen.
Im Erstentwurf eines Österreichischen Kodex für Corporate Governance ist zu lesen, dass von diesem primär die Anleger profitieren sollen, wobei dies das Ergebnis einer Qualitätsverbesserung der Zusammenarbeit zwischen den Organen sein soll. Geltung erhalten die Standards durch eine freiwillige Selbstbindung des Unternehmens. Da wird es nun interessant: Wenn zwingende gesetzliche Vorschriften offenbar nicht mehr ausreichend sind, werden neue Regeln ausgearbeitet, deren Einhaltung nicht verpflichtend ist?
Gehen wir von einem praktischen Ansatz aus: Der für manche schwer zu verstehende Gesetzestext kann keine vollständigen Vorgaben für die erfolgreiche Führung von Unternehmen anbieten, und in der Regel kommen nachhaltige Verstöße zu spät ans Licht. Vom Blickwinkel des verantwortlichen Managers haben Corporate-Governance-Regeln beachtliche Vorteile: Einerseits bieten sie einen verhältnismäßig klar formulierten Ordnungsrahmen mit international üblichen Standards für die Unternehmensführung, andererseits enthält deren freiwillige Einhaltung eine klare Botschaft an die Wirtschaft: Hier gibt es neue Regeln – und wir halten sie ein.
Worauf ist zu achten? Der Corporate Governance Kodex hat glasklare Bestimmungen zu enthalten und es muss eine regelmäßige externe Evaluierung der Umsetzung und Einhaltung des Kodex geben. Sonst wird die Botschaft zum Lippenbekenntnis.

